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Feder & Klinge von Rebecca Andel

Interview mit der uebersinnlich-Autorin Rebecca Andel

Unsere uebersinnlich-Autorin Rebecca Andel im Gespräch

Letztes Jahr lobte der Ueberreuter Verlag einen Schreibwettbewerb für Jugend- bzw. All-Age-Romane aus dem Romantasy-Genre aus. Aus den Einsendungen wählte eine neunköpfige Jury drei Siegertexte, die nun unter dem digitalen Label uebersinnlich bei Ueberreuter publiziert werden. Das nun erschienene E-Book »Feder und Klinge« von Rebecca Andel ist eines der drei Siegertexte.

Wir stellten Rebecca Andel für euch nun einige Fragen:

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Eigentlich habe ich schon immer kleine Geschichten für mich selbst erfunden und mir noch vor der Einschulung selbst Schreiben und Lesen beigebracht, um diese Geschichten auch zu Papier bringen zu können. Ich weiß noch, dass ich die besten Ideen hatte, wenn ich meinen Eltern oder der Kindergärtnerin entwischt und im Garten oder im Wald auf einen Baum geklettert bin. Auf dem höchsten Ast saß ich manchmal stundenlang und habe einfach so in den Tag hineingeträumt. Schon von klein auf habe ich Tagebuch geführt, die eine oder andere Kurzgeschichte verfasst. Meine erste wirklich ausgereifte Romanidee kam allerdings erst, als ich 23 war – eines Tages war sie plötzlich da!

Was bedeutet Schreiben für dich?

Es bedeutet, dass ich für einige Stunden aus der Welt verschwinden kann und eine neue Welt erfinde, in der alles viel interessanter und spannender ist. Also eigentlich genauso wie Lesen, nur umgekehrt. 😉

Hast du bestimmte Lieblingsschreibplätze? Und wann schreibst du am liebsten?

Mein Lieblingsschreibszenario ist auf jeden Fall spät nachts zu Hause auf meinem Sofa. Aber eigentlich brauche ich zum Schreiben nur meinen Laptop und Kopfhörer, denn ich muss auf jeden Fall Musik hören, wenn ich schreibe. Hiermit möchte ich mich auch mal in aller Form bei meinen Freunden entschuldigen – es passiert nämlich ziemlich oft, dass ich plötzlich ganz dringend eine Idee aufschreiben muss und sie müssen dann warten, bis ich wieder ansprechbar bin. Also: Tut mir leid, aber gegen eine Idee, die auf einmal da ist, kann ich mich einfach nicht wehren!

Woher nimmst du deine Ideen, was inspiriert dich zu deinen Geschichten?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal träume ich etwas so Verrücktes und Interessantes, dass ich daraus einfach eine Geschichte machen muss.Die meisten Ideen kommen aber merkwürdigerweise immer ein paar Minuten vor dem Einschlafen. Dann muss ich wieder aufstehen und mir ein paar Notizen machen. Das sind immer die besten Ideen, aber leider werde ich manchmal am nächsten Morgen gar nicht mehr schlau aus meinem kryptischen Gekritzel!

Warum hast du beim uebersinnlich-Schreibwettbewerb mitgemacht?

Das ist eine schwierige Frage, denn meistens sind die Geschichten, die ich schreibe, gar nicht besonders romantisch. Aber seltsamerweise habe ich die Ausschreibung zu dem Wettbewerb am gleichen Tag gelesen, an dem die Idee zu „Feder & Klinge“ entstand. Und da habe ich mir gedacht: „Warum eigentlich nicht?“

Was reizt dich an Romantasy?

In diesem Punkt bin ich etwas zwiegespalten, denn ich schreibe eigentlich nicht hauptsächlich Romantasy. Das Element „Fantasy“ begleitet jede meiner Geschichten, aber die „Romance“ fällt mir oft gar nicht so leicht. Ich baue zwar gerne die eine oder andere Liebesgeschichte ein, das Romantische ist aber für mich eher nicht die „Hauptsache“. Viel wichtiger ist mir, die Charaktere zu entwerfen, die schlussendlich zueinanderfinden sollen. Welche Geschichte haben sie? Was macht sie einzigartig? In welcher Welt leben sie? Das sind die Punkte, die mich mehr interessieren als die schlussendliche Liebesgeschichte. Was mich trotzdem an Romantasy reizt, ist, dass wohl jeder Mensch schon von der großen, wahren Liebe geträumt hat (diejenigen, die behaupten, sie täten das nie, lügen wahrscheinlich!). Und solche Träume auf Papier zu bringen, macht Spaß!

Deine Geschichte erinnert in gewisser Weise an die Filme David Lynchs und ist raffiniert konstruiert wie ein Möbiusband. Was hat dich zu „Feder & Klinge“ inspiriert?

Danke, das ist ein großes Kompliment, denn ich mag David Lynch sehr. Das Düster-Surrealistische war schon immer mein Ding. Die Idee zu „Feder & Klinge“ kam mir über Umwege: Ich arbeite schon länger an einem Romanprojekt namens „Die Angstfresser“. Ein Charakter, den ich für diese Reihe entworfen habe, ist mein absoluter Lieblingscharakter. Es macht irrsinnig Spaß, Szenen zu schreiben, in denen er vorkommt. Und eines Tages saß mir plötzlich jemand in der U-Bahn gegenüber, der genauso aussah wie dieser Charakter, es war, als wäre er aus meinen Zeilen herausgesprungen. Natürlich habe ich ihn nicht angesprochen, denn das wäre schon ziemlich verrückt: „Oh, hallo, Sie sind aus meinem Roman herausgewandert. Wollen Sie auf einen Kaffee gehen?“ Aber trotzdem, diese Situation hat mich fragen lassen: „Was würde eigentlich passieren, wenn dein Romancharakter wirklich plötzlich dir gegenüber in der U-Bahn sitzt? Und wie könnte die Hintergrundgeschichte dieser Situation aussehen?“. Und daraus ist dann „Feder & Klinge“ entstanden.

Und hast du selbst die Erfahrung gemacht, dass deine Figuren beim Schreiben lebendig werden und eine Art Eigenleben entwickeln?

Ja, definitiv! Diese Biester machen nie, was ich will. Sie lehnen sich regelrecht gegen mich auf und tun alles, bloß nicht das, was ich ursprünglich von ihnen wollte. Die Charaktere aus „Feder & Klinge“ haben sich auf jeden Fall so verhalten, zum Beispiel Ariane, die plötzlich einen ziemlich zynischen Humor entwickelt hat, was gar nicht so geplant war. Und auch Therese wollte nicht so, wie ich wollte. Eigentlich hätte sie ein sehr kleiner Charakter bleiben sollen. Doch auf einmal hat sie sich gemeldet: „Hallo, ich hätte gerne auch eine Hintergrundgeschichte!“ Und da hat sie eben eine bekommen. Ich schätze, so ist das eben beim Schreiben: Meistens verselbstständigt sich alles.

Wir danken Rebecca Andel für das Gespräch!

One Response to Interview mit der uebersinnlich-Autorin Rebecca Andel

  1. günther kaip 16. April 2017 at 20:16 #

    Schöne Aussagen dieser Jungautorin – hat die Mechanismen des Schreibens schon verinnerlicht und kann ihren Romanfiguren den Platz geben, den sie zu ihren eigenen Entwicklungen brauchen. Bin auf die literarische Entwicklung dieser Jungautorin sehr gespannt, zu der ich ihr das Beste wünsche.

    Günther Kaip

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